"Ich bin nicht die Spaßbremse der Nation"

Veröffentlicht am 07.10.2008 in Veranstaltungen

Suchtprävention: Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing zu Gast beim SPD-Ortsverein / Lebenskompetenz bei Kindern stärken

Mit der Erklärung, dass eine Drogenbeauftragte ihren Kollegen im Bundestag keine Drogen besorge, eröffnete die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing scherzhaft die Diskussionsrunde im Welde-Stammhaus. Im vollbesetzten Nebenzimmer beschäftigten sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde über "Drogen und Sucht im Fokus der Politik", insbesondere vor dem Hintergrund von Alkoholexzessen Jugendlicher bei Festen in Schwetzingen.

"Mein Job findet auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene statt", beschrieb Bätzing ihre Tätigkeit. "In Deutschland ist es unser Ziel, die Zahl der Abhängigen zu senken", verriet sie den Anwesenden. Die Gefahren der heutigen Gesellschaft würden nicht ausschließlich aus illegalen Substanzen herrühren, sondern insbesondere legale Drogen würden ein enormes Risikopotenzial darstellen, beschrieb Bätzing die Problematik.

Dabei reiche die Bandbreite von Online-Süchtigen, die täglich acht bis neun Stunden im Internet verbringen und immer mehr die Balance zwischen realer und virtueller Welt verlieren, bis hin zu Alkohol- und Nikotinsüchtigen. Um die Ursachen, die oftmals zur Entwicklung von Süchten führen, zu beseitigen, sei eine Aufklärungsarbeit unerlässlich. Daher sei eine der Hauptaufgaben vor allem die Prävention im Vorfeld. "Für Menschen, die bereits süchtig sind, gilt es eine zielgruppenspezifische Therapie anzubieten", so Bätzing.

"Mix aus Prävention und Gesetzen"
Ob es denn Prävention sei, Feste abzusagen, bei denen es regelmäßig zu Alkoholexzessen von Jugendlichen kommt, beschäftigte Stefan Rebmann, Ortsvereinsvorsitzender der Schwetzinger SPD. "Es ist ein Mix aus Prävention und Gesetzen erforderlich", erklärte Bätzing. Schließlich seien junge Menschen sehr kreativ, wenn es um die Umgehung von Gesetzen gehe. Eine Gesetzesverschärfung wäre sinnlos, da die aktuellen Gesetze schon nicht eingehalten würden. Erforderlich sei es, die Köpfe der jungen Menschen zu erreichen, damit es überhaupt nicht zu solchen Ausfällen kommt.

Wie Präventionsarbeit auszusehen hat, beschrieb die Drogenbeauftrage anhand verschiedener bundesweiter Modellprojekte. Zunächst einmal müsse Präventionsarbeit bereits im Kindergarten einsetzen. Kinder müssten stark gemacht werden durch Vermittlung von Selbstbewusstsein und Lebenskompetenz. Schließlich könnten selbstbewusste Kinder besser mit Druck und Gruppenzwang umgehen. Dies sollte natürlich auch in der Grundschule weitergeführt werden, so Bätzing. "In Großbritannien gibt es bereits ein Schulfach, welches Kindern Lebenskompetenz vermitteln soll."

Daneben dürfe natürlich auch die Vorbildfunktion der Erwachsenen nicht fehlen. Und an dieser fehle es in Deutschland. Bätzing zufolge befinden sich die Deutschen in den Top Ten des weltweiten Alkoholkonsums. Pro Kopf würden die Deutschen im Jahr 10, 1 Liter puren Alkohol zu sich nehmen. "Ich bin nicht die Spaßbremse der Nation. Es geht mir auch nicht um Abstinenz, sondern darum, maßvoll zu konsumieren und in bestimmten Situationen darauf verzichten zu können", sagte Bätzing. Jeder zweite Krankenhausaufenthalt eines Mannes sei der Drogenbeauftragten zufolge auf Alkohol zurückzuführen. Auch bei Erwachsenen müsse Prävention betrieben werden.

Dass die Projekte zur Präventionsarbeit große Summen verschlingen, ist eine Kritik, der die Bundesdrogenbeauftrage häufig ausgesetzt ist. "Langfristig gesehen ist es viel kostenintensiver, wenn die Gesellschaft Kosten, die durch Drogen- und Alkoholabhängigkeit entstehen, trägt, im Vergleich zu Geldern, die in Präventionsarbeit gesteckt werden."

Präventionsprojekte in der Stadt?
"Ob Modellprojekte hinsichtlich der Präventionsarbeit in Schwetzingen denkbar sind, ist eine wichtige Thematik, die im Gemeinderat besprochen werden sollte", erklärte Doris Glöckler, Schwetzinger Stadträtin. Denn schließlich betreffe diese Problematik auch die Stadt Schwetzingen.

 

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