Das hätte man alles im Vorfeld wissen können!

Veröffentlicht am 23.01.2025 in Fraktion

SPD-Fraktion sieht immensen Schaden durch verfehlte Brückenplanungen.

„Ein neuer Oberbürgermeister ist im Amt, und schon soll die Pfaudlerbrücke nun doch nicht gebaut werden, weil sich für alle ganz plötzlich und unvorhergesehen die Rahmenbedingungen geändert haben“, so fasst SPD-Fraktionsvorsitzender Robin Pitsch den Ausstieg aus dem bislang geplanten Brückenprojekt von den Schwetzinger Höfen über die Bahnlinie in Richtung Vereinshaus Bassermann zusammen.

„Wir finden gut, dass nun nicht länger Geld für dieses Projekt verschwendet wird, aber leider sind einerseits bereits hunderttausende von Euro in die Planung geflossen und andererseits waren diese ‚neuen‘ Fakten im Vorfeld absehbar. Das ernüchtert natürlich, vor allem, wenn man als SPD-Minderheit genau diese Situation mit den nun angeführten Argumenten die ganze Zeit verhindern wollte“, so Pitsch.

In der Diskussion werden unter anderem technische, städtebauliche und organisatorische Bedenken zum Brücken-Aus angeführt.

So sei etwa die Rampe der Brücke aufgrund der barrieregerechten, flachen Neigung am Ende einfach zu lang, um eine tatsächliche Abkürzung darzustellen, mitunter sei der Weg über die projektierte Brücke sogar länger, als über die Südtangente oder die Bahnhofsunterführung. „Hier hätte man ganz einfach über den Neigungswinkel und die Mindesthöhe bereits im Vorfeld die Brückenlänge berechnen können und dann einfach über Google Maps die Wegstrecken abmessen können, dann hätte man gesehen, dass die Brücke für niemanden eine Zeit- oder Wegeersparnis gehabt hätte“, sagt Robin Pitsch. „Wir als SPD hatten diesen faktischen Nichtmehrwert von Beginn an immer wieder thematisiert.“

Auch dass die benötigte Brückenrampe, die als Schnecke oder in mehreren Windungen auf freistehenden Betonpfeilern liegen müsste, keine städtebauliche Augenweide wird, dürfe keine Neuigkeit sein.

Zudem habe die Brücke für den Radverkehr zu keinem Zeitpunkt eine ernste Rolle gespielt. „Die Verwaltung hat die neue Radbrücke zwar als Entlastung für den Radverkehr angepriesen, auch bei den Gemeinderäten. Aber in keinem einzigen Verkehrsgutachten ist die Brücke als zentrales Verkehrselement vorgesehen. Auch die von Altstadtrat Simon Abraham mehrfach eingeforderten gebliebenen Nachweise bleibt die Verwaltung defacto bis heute schuldig. Insofern war die Brücke, wenn überhaupt, nur vorgeschobenermaßen ein Verkehrsthemaschon. Sie war schon immer entbehrlich“, sagt auch Stadtrat Hans-Peter Müller. „Immerhin: es macht die Sache einfacher, auf sie zu verzichten.“

Die technische Machbarkeit wird ebenfalls als Grund für das vom Rathaus vorgeschlagene Brcken-Aus genannt „Ausschreibungs- und Planungszeiträume, die zu kurzfristigen Terminabstimmungen mit der Bahn, die für den Bau bzw. beim Einschwenken über die Gleise den Zugverkehr für längere Zeit einstellen muss und nicht zuletzt die Umsetzungsfrist des Fördergebers Ende 2026 waren doch im Prinzip bekannt oder fängt man ein solches Projekt ohne eine solche Timeline an?“, heißt es seitens der SPD-Fraktion. „Wir fragen uns, wieso man auch dieses Umsetzungsprozedere nicht im Vorfeld für die eigenen Kosten-Nutzen-Risiko-Analyse herangezogen hat“, so Stadträtin Anna Abraham.

Hauptkriterium der Brückenabsage sind aber die enorm gestiegenen Kosten, die ursprünglich bei rund 11 Millionen lagen, von denen die Stadt aufgrund einer Bundesförderung von neun Millionen immerhin noch zwei Millionen hätte berappen müssen. „Das Problem war aber immer, dass der Bundeszuschuss gedeckelt war, sodass jeder Euro an Mehrkosten automatisch durch die Stadt zu tragen war. Angesichts der Baupreisentwicklung der letzten Jahre und der Erfahrung von Projekten in anderen Stäften war klar, dass der veranschlagte Wert überschritten wird“, so Stadträtin Sabine Rebmann. Daher seien die nun real berechneten Gesamtkosten von mindestens 15 Millionen – die Stadt müsste demnach rund 6 Millionen schultern – eben keine Überraschung.

Und auch die erheblichen jährlichen Instandhaltungskosten hätten im Vorfeld in die Abwägung einer Entscheidung fließen müssen. Die Stadt hätte sich erst jetzt konkret auch mit Instandhaltungs- und Abschreibungskosten beschäftigt - viel zu spät, meint die SPD.

„Die Stadt Schwetzingen hat durch das bisherige Brückenprojekt mit seinen Vorarbeiten und Planungen erheblichen finanziellen Schaden erlitten“, so Robin Pitsch. Neben Kosten für die Machbarkeitsstudie und Ausführungsplanung seien auch Grundstücke von der Bahn für die Brückenrampen gekauft worden. „Mit diesen sehr länglichen und schmalen Grundstücken direkt an der Bahn kann man eigentlich nichts anfangen, außer einer Lärmschutzwand – die im Projekt Schwetzinger Höfe aber ohnehin eingepreist ist. Diese Grundstücke sind für eine kommunale Entwicklung wohl wertlos.“

Ebenso steht die Frage im Raum, ob die bereits durch den Bund geleisteten Förderzuschüsse für die bislang erfolgten Planungsleistungen durch die Stadt zurückgezahlt werden müssten.

„Jetzt mal abgesehen von einem imaginären Mehrwert, den die Befürworter dieser Brücke zuschreiben mögen: wenn man das alles zusammenzählt, könnte es sein, dass die Stadt mehr als eine Million Euro in den Sand gesetzt hat. Und auch wenn es am Ende nicht so viel werden sollte, das hätte man alles im Vorfeld wissen können, wenn man denn gewollt hätte“, meint der Fraktionsvorsitzende

Um nun das Pfaudler-Areal adäquat an den Radverkehr und die Südtangente anzuschließen, könnte sich die SPD-Fraktion einen parallel zu den Gleisen und hin zur Südtangente abfallenden Radweg vorstellen, auch wenn es einen solchen nicht zum Nulltarif geben werde. „Das hatten wir immer als Alternative vorgeschlagen“, sagt Sabine Rebmann.

Fraktionsvorsitzender Robin Pitsch fasst es so zusammen: „Im bisherigen Projektverlauf wurde Vieles nicht zu Ende diskutiert, durchdacht und am Ende einfach abgenickt. Denn es muss doch zu denken geben, wenn der neue Oberbürgermeister Matthias Steffan direkt nach Amtsübernahme die Projektrisiken so schnell neu (oder endlich mal: richtig) bewertet, um quasi in letzter Sekunde noch größeren Schaden von der Stadt abzuwenden. Man muss dem OB Anerkennung dafür zollen, dass er den Mut hat, zurückliegende und schon damals fragliche Entscheidungen zu hinterfragen. Von den Entscheidern am Ratstisch hätten wir uns schon damals eine kritischere Haltung gewünscht.“

 

 

Homepage SPD Schwetzingen

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden