Startchancenprogramm entbindet nicht vom Sicherstellen wirksamer Bildung

Veröffentlicht am 30.07.2026 in Fraktion

Die SPD-Fraktion im Schwetzinger Gemeinderat stimmt zu, dass die Nordstadtgrundschule aus dem Startchancenprogramm letztzlich 1,8 Millionen Euro auf 8 Jahre hin verteilt, bekommen kann. Jedoch: mit dem Startchancenprogramm sei die Bildungsmisere in Detuschland (und letztlich auch Schwetzingen) nicht bekämpft. Im Gegeneil: Eine Transformation des Systems, die die Bildung endlich gesellschaftswirksam mache, fehle weiterhin und dauerhaft.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr OB Steffan, sehr geehrte Frau Bgm’in Schlüter,

Natürlich will die SPD-Fraktion die Teilnahme der Nordstadtgrundschule am Startchancen-Programm ermöglichen und stimmt daher zu.

Es ist gut, wenn die Schule und die Stadt mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, um damit die Schulqualität durch Personalaufstockung, Mittel für die Unterrichtsentwicklung sowie – und daher ist die Stadt im Boot – bauliche Maßnahmen bereit zu stellen.

Doch so gut wir das finden – es zeigt, wie in diesem Land Bildung gesehen wird: „Gib dieser einen Grundschule in Schwetzingen 1,8 Millionen über 8 Jahre verteilt, dann passt das.“ – Aber wenn man mal genauer hinsieht, dann passt da gar nichts.

Kinder benötigen einen durchstrukturierten Tagesablauf, optimalerweise von morgens bis abends, weil tatsächlich Vieles, was wir als Erziehung, Erfahrung oder Grundlagen von Anstand, Grundwissen und Miteinander bezeichnen und eigentlich von Jugendlichen erwarten – je nach Milieu – gar keine Rolle mehr spielt in der elterlichen Erziehung. Es sind die soziologischen Begleiterscheinungen einer flexibilisierten Arbeitswelt, in der immer öfter beide Elternteile arbeiten gehen und müssen; einer immer schnelllebigen Gesellschaft mit Smartphone, Ablenkung, Social Media, Ablenkung, Reizüberflutung, Ablenkung, Selbstinszenierung und Ablenkung, in der auch Erwachsene und Eltern Opfer und Täter eines vernachlässigten Erziehungsfokus werden und ja, auch die Herausforderungen von Migration und Integration spielen eine Rolle. Dazu kommt latente Bewegungsarmut, kind-ungerechte Schlaf-, Ess- und Bildschirmgewohnheiten. – Sprich: alles eigentlich gesellschaftlich hausgemacht, aber die Schule soll/muss/kann/darf es am Ende richten – sofern wir später mündige und handlungsfähige Bürger wollen.

Man muss kein Mathefuchs sein, um sehr schnell festzustellen, dass die derzeitigen schulischen Strukturen, Gebäude, Personal und ganz grundsätzlich die Rahmenbedingungen nicht ausreichen, um nur ansatzweise wirksam (von zufriedenstellend darf nicht gesprochen werden) zu sein.

Anstatt Gelder für leistungsfähige Ganztagesschulgebäude zur Verfügung zu stellen, bekommt die Stadt rund 700.000 Euro für 8 Jahre zur Verfügung gestellt, um diese in bauliche… ähm… nennen wir es „Maßnahmen“ zu investieren – für Sanierung, Renovierungen, Ausbau oder Anbau ist es zu wenig.

Die Schule selbst bekommt Gelder für weiteres Personal, um das multiprofessionelle Team an der Schule zu stärken – diese Angestelltenverwaltungsbürokratie muss die Schulleitung gemäß Programm übrigens selbst machen. Das Problem: mit den rund 75.000 Euro pro Jahr kann man ebenfalls keine großen Sprünge machen. Um wirklich die Qualität zur Zufriedenheit zu verbessern bräuchte eine Grundschule von morgens bis abends mehrere Schulbegleiter, Sozialarbeiter, AG-Kräfte, Schulpsychologen, einen festen Jugendamtsmitarbeiter, der Maßnahmen und Hilfe für Eltern anbietet, koordiniert, festlegt.

Und ja, das würde mehrere Millionen Euro pro Jahr kosten, Milliarden, wenn man an jeder deutschen Schule eine für unsere heutige Zeit angemessene Bildung anbieten und gesellschaftlich effektiv betreiben wollte.

Tja… …so kostet es nur 1,8 Millionen. Entlastet irgendwie … zumindest ein bisschen … hoffentlich.

Ob es was bringt, wird (vielleicht) die begleitende Evaluation zeigen – welche die Schulleitung übrigens selbst evaluieren darf bzw. muss – eine bittere Nebenwirkung der Startchancengelder – kommt nochmal auf den Schulleitungsaufgabenstapel hinzu: zur Koordinierung von Lehrermangel, Deputats-, Stunden- und Vertretungsplanung, Verwaltung der pädagogischen Mitarbeiter, der Mitorganisation des Ganztags, Digitalisierung, Berichtspflichten fürs Amt, Förderprogrammkoordination, Leistungserhebungen, Elternmails und Pädagogik.

Nicht falsch verstehen: wir sind dafür, dass diese Schule Gelder bekommt und unterstützen das. Nur entbindet ein „Startchancenprogramm“ mit für Schwetzingen lächerlichen 1,8 Millionen nicht das Land oder den Bund, unser Bildugnsystem den gesellschaftlichen Bedingungen und Erwartungen anzupassen, zu transformieren und endlich wirksam zu machen.

 

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